Hier ein "kleiner" Wettkampfbericht. Viel Spass :-)
Wow, was für ein Tag..
3.45 Uhr: Tagwache. Da sich meine Nervosität bereits seit einer Woche bemerkbar macht, ist es nichts Neues mit einem Kribbeln im Bauch und ein wenig Übelkeit den Morgen zu beginnen (Nein, ich bin nicht schwanger! :-)) Das Frühstück (Weissbrot mit Honig, ein wenig Orangensaft und Incarom-Kaffee) steht schon bereit. Wie bereits erwähnt: mir ist übel! Ich schaffe es trotzdem ein wenig zu Essen und Trinken.
4.30 Uhr: Abfahrt Richtung Zürich. Das Velo und meine Tasche habe ich bereits am Vortag eingecheckt, sodass ich nur die Schwimmutensilien und einen Bidon mit Powerbar bei mir habe. Und natürlich Mami :-) Während der Autofahrt beruhige ich mich wieder ein wenig und freue mich auf das Rennen.
5.30 Uhr: Habe soeben die Wechselzone eingerichtet. Habe ich auch wirklich nichts vergessen? Ich gehe den Wettkampf in Gedanken nochmals durch. Die Nervosität steigt wieder..
6.30 Uhr: Warten auf den Start.. Rundherum Athleten, welche komische Dehn-/Aufwärmübungen machen. Ob dieses Hüpfen wohl hilft? Ich versuche es auch. Es nimmt ein wenig die Anspannung und ich muss nun nicht mehr so ganz tatenlos zusehen wie der Start näher rückt. Mami ist zum Glück immer bei mir.
6.40 Uhr: Juhui, Pasci ist soeben auch an den Start gekommen. Ich bin so froh, dass ich ihn noch vor dem Start sehen kann. Für einen Moment vergesse ich meine Anspannung.. Doch es bleibt nur noch wenig Zeit bis zum Start. Noch schnell von Mami fertig einfetten lassen, den Neopren anziehen und ab an den Start. Noch eine letzte Umarmung, einen letzten Kuss und das Abenteuer kann beginnen. Meine Nerven spielen verrückt.
7.00 Uhr: Startschuss! Obwohl.. Hat jemand einen Schuss gehört? Ich nicht.. Aber ich sehe Athleten wie wild davon schwimmen.. Hrmpf, guter Anfang.. Zum Glück habe ich heute reichlich Zeit diese verlorene Sekunden wieder aufzuholen :-)
Unglaublich, mehr als 2000 Athleten zusammen im Wasser. Kein Wunder, dass ich Fusstritte und Ellbogen abbekomme. Einfach ignorieren und weiterschwimmen. Ich versuche die angenehme Wassertemperatur, den schönen Morgen und die monotone Schwimmbewegung zu geniessen. Doch nach 1.8km wird es eng. Wir nähern uns dem Land und müssen unter einer Brücke durchschwimmen. Chaos pur! Zum Glück erreiche ich ohne Tritte in die Oberschenkel (wovor ich besonders Angst hatte) die kleine Insel, überquere sie und stürze mich anschliessend wieder ins Wasser für die zweite Schwimmrunde.
Nach 3.8km im schönen Zürichsee beginnt wieder die Waschmaschine. Unglaublich wie rücksichtslos manche Athleten im Wasser sind! Ich bin froh, dass ich endlich aus dem See steigen kann. Obschon ich die meiste Zeit der ersten Disziplin genossen habe. Nun geht es aber ab aufs Rad. Zuerst müssen aber noch die Armlinge angezogen werden, was mit nasser Haut kein leichtes Unterfangen ist.
Wow, meine Beine fühlen sich richtig gut an. Jetzt nur nicht mitreissen lassen von den vielen Zuschauern am Streckenrand und den anderen Athleten. Ich konzentriere mich auf meinen Puls. Die ersten 30km der Radstrecke sind flach. Optimal um die Beine an die neue Bewegung zu gewöhnen. Kurz vor den ersten Höhenmetern sehe ich Daddy am Strassenrand. Ich freue mich riesig!
Mein Magen fängt an zu schmerzen. Ob das der Pulsgurt ist, den ich zu fest angezogen habe? Oder habe ich zu viel gegessen? Zum Glück muss ich erst am Nachmittag laufen :-)
Die Steigung auf den Pfannenstiel hoch ist sehr human. Ich fühle mich gut und werde immer wieder von Bands an der Strecke begleitet. Der Wahnsinn! Ich kann mit einigen Männern den Berg hochfahren, was mich zusätzlich aufstellt. Oben wartet wieder Daddy, der mich anfeuert! Grossartig! Nun folgt nur noch eine langgezogene, moderate Steigung und dann geht es abwärts nach Zürich. Bei einem Verpflegungsposten ruft mich der Speaker als dritte Frau in meiner Kategorie aus. Cool :-) Aber bis am Abend kann noch einiges passieren, also nicht weiter beachten. Schön mein Tempo weiterfahren.
Die Strecke führt am Bellevue und an der Wechselzone vorbei zum berühmt-berüchtigten Heartbreakhill. Da steht auch schon Pasci und Mami, die mich neben einer Band wie wild anfeuern. Einfach gewaltig. Dann folgt der Korridor durch die Menschenmenge. Einfach unglaublich! Gänsehaut pur. Dieser Lärm, der enge Gang durch die Masse, die vielen Zurufe.. Der absolute Hammer!
Die zweite Runde läuft erstaunlicherweise immer noch sehr gut. Ich freue mich riesig Daddy wieder an den gleichen Stellen wie auf der ersten Runde zu sehen. Die Bauchschmerzen sind bereits wieder vergessen. Nun rebellieren aber meine Knie. Ich versuche mich abzulenken, mir zu sagen, dass mein Körper wohl verständlicherweise nicht ganz damit einverstanden ist, was ich heute mache und er sich nur mittels Schmerzsignalen beklagen kann. Das Radfahren ist bald überstanden, ich hoffe meine Gelenke beruhigen sich beim Laufen wieder. Apropos Laufen.. Diese Beine sollen noch fähig sein zu rennen?? Unmöglich!!
Ich steige vom Velo und mache die ersten Schritte. Es fühlt sich noch ein bisschen steif und verkrampft an die ganze Angelegenheit. An meinem Wechselplatz angekommen fühle ich mich schon ein bisschen lockerer. Velo hinstellen, Helm ausziehen, Laufschuhe montieren, Hut aufsetzen und los geht’s! Trotz Skepsis: Meine Beine laufen!! Und die Knie? Getrauen sich wohl nicht mehr zu protestieren :-)
Uff, meine anfängliche Euphorie ist bereits auf den ersten Laufkilometern verschwunden. Vier Runden?? Unmöglich! Ich versuche mich mit positivem Denken (merci Mami :-)) aufzuheitern. Naja, gelingt nur bedingt. Beim zweiten Verpflegungsposten sehe ich Mami. Mami, mir geht es sch*****! Zum Glück habe ich zu wenig Energie, das auch auszusprechen :-) Ich werde sogleich aufgemuntert von ihr. Sie zeigt auf die rechte Seite, ich solle da genau hinsehen. Da stehen Pasci, Götti und mein kleiner Cousin Erik! Und Erik hält ein Plakat hoch auf dem „Hopp Katja“ steht! Ich bin überwältigt und kämpfe mit den Tränen. Ich werfe ihnen noch einen Handkuss zu und mache mich wieder auf den Weg. Wow, das war Balsam für die Seele.
Die Strecke schlängelt sich durch einen eigentlich wunderschönen Park. Allerdings ist es hier sehr ruhig, was bei mir schnell zu einer Krise führen kann. Umso glücklicher bin ich, als ich Daddy sehe. Kurz darauf erscheint die „Rundenkontrolle“, bei der es ein farbiges Gummiband ums Handgelenk gibt. Auf der ersten Runde ist es grün..
Meine Krise wendet sich langsam zu einem Hoch. Ich kann immer mehr Männer überholen, sehe trainierte Athleten, die spazieren oder aufgeben. Doch ich kann mein Tempo halten und es geht mir immer besser. Pasci, Mami, Götti und Erik stehen wieder an der Strecke. Das erhellt meine Laune noch zusätzlich. Kurz vor dem Wendepunkt beim Bellevue steht dann auch noch Martina! Ich freue mich riesig sie zu sehen. Auf dem Rückweg nochmals an meinen Liebsten vorbei und schon habe ich meine erste Runde. Na also, geht doch. Mein Hoch hält immer noch an. Plötzlich höre ich Domi rufen. Er läuft mit mir mit beim Verpflegungsposten und fragt wie es mir geht. Ob ich etwas brauche? Nur neue Beine, sonst nichts :-) Ich renne wieder. Da steht Martin Hügli mit seiner Freundin, Michael Althaus feuert mich an, Kevin und Franziska, Sandra und Fege, Marina und Nathanael.. Alle sind gekommen und feuern mich wie wild an. Rufen mir zu wie locker ich laufe, wie stark ich sei. Das hilft enorm. Ich habe nun bereits ein gelbes Gummiband. Wie viele werde ich im Ziel gesammelt haben? (Mit wenig Sauerstoff im Kopf werden solche Fragen zur echten Herausforderung und zum Zeitvertreib :-))
Die dritte Runde. Schon im Vorfeld wusste ich, dass diese sehr viel Kopfarbeit brauchen wird. Die VORletzte. Ich sage mir immer wieder: „Das ist das letzte Mal, dass ich auf diesem Streckenabschnitt kämpfen muss. In der letzten Runde geht alles von Alleine, weil ich dann schliesslich so nahe am Ziel bin.“ Ich kann immer noch ziemlich regelmässig laufen. Überhole plötzlich eine Engländerin von meiner Kategorie. „Good job!“, feuert sie mich noch an. Genial.
Endlich auf der vierten und letzten Runde. Nun könnte ich rein theoretisch auch laufen. Ich werde es auf jeden Fall schaffen. Da ich aber nun Mühe habe, nach dem Gehen wieder zu Joggen, entschliesse ich mich den Rest nur noch zu Rennen. Also bei den Verpflegungsposten auch nicht mehr zu spazieren. Es dauert schliesslich nur noch ca 45 min. Mami, Götti und Erik stehen wieder bereit. Mami’s Worte, dass ich mir bald meinen Traum erfüllen werde, drücken mir Tränen in die Augen. Weiter geht’s. Im Park kommen mir Daddy und Pasci freudestrahlend entgegen, rennen mit mir ein paar Meter mit. Daddy erklärt mir, dass ich an zweiter Position liegen und wenn ich das Tempo halten könne, den Platz locker verteidigen werde. Obschon ich nicht auf die Rangierung achte, freut mich diese Neuigkeit. Noch mehr aber freue ich mich über die Reaktionen meiner Liebsten. Alle flippen aus.. Ich am meisten :-) nur noch 3km, denn die letzten 2km werden nicht gezählt. Die werden dann nur noch genossen..
Ich erreiche den Wendepunkt. Es folgt eine Kilometertafel: nur noch 2.5km.. Wow! Meine Beine schmerzen immer noch, eine Blase am Fuss ist geplatzt. Egal, ich bin bald im Ziel. Nur noch knappe 15min. Meine Beine laufen. Ich überhole weitere Athleten die spazieren. Meine Beine laufen noch schneller. Nur noch 1km. Bald ist es geschafft. Die ganzen Strapazen von den Trainings, vom heutigen Tag. Ich sehe Daddy. Er verneigt sich vor mir. Mir kommen die Tränen. Kann meine Emotionen nicht mehr zurückhalten. Knappe 100m weiter folgt Mami, die mir zuruft wie stolz sie auf mich sei. Weitere Tränen fliessen. Nur noch 200m bis zum Ziel. So viele Menschen, die mir zurufen. Meinen Namen rufen. Ich biege ins Zielgelände ein. Noch mehr Menschen. Tobender Applaus. Ich weine nur noch. Jauchze. Da sehe ich Pasci kurz vor dem Ziel. Er strahlt mich an. Ich renne zu ihm hin. Umarme und küsse ihn. Endlich! Ich laufe ins Ziel. Überglücklich, voller Emotionen. Ich bin nur noch am weinen. Vor Glück und Erschöpfung. 11h28min.. Um 18.30 Uhr wollte ich im Ziel sein und war es auch. Ronny sitzt da, ruft mir zu. „gratulation. Sehr grosse Sport!“
Ich laufe aus dem „Athletes Garden“ heraus und sehe da meine Liebsten. Wieder kommen die Tränen. Endlich kann ich alle drücken, die mir den ganzen Tag so geholfen haben und ohne die es nie möglich gewesen wäre. Ich werde von Pasci geküsst, von Mami geknuddelt. Daddy hat Tränen in den Augen. Wow, ich bin so gerührt, fange wieder an zu weinen. Ich bin der glücklichste Mensch auf Erden. Erik und Götti stehen auch da. Ich drücke beide ganz fest. Weiter vorne stehen Kevin und Fränzi. Ich bin so bewegt. Will alle nur noch ganz fest drücken. Wow, alle Strapazen sind vergessen. Diese Emotionen.. einfach unbeschreiblich.

Kommentare
Also bis bald mal wieder.....
Natürlich auch auf Mami und Daddy
Liebe Grüsse aus Lanza
Michael
Esch als Zueschauer mendistens so idröcklech ond genial gsi...zgse wie perfekt de Tag för dech ufgange esch, eifach super 8)! riiisekuss
Du hast ein perfektes Rennen gemacht am Sonntag. Es war ein Vergnügen, dich zu supporten. Gute Erholung.
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